Was bisher geschah…

Ein kleiner Überblick über den Verlauf der Besetzung und einige besonders wichtige Ereignisse.

2019

Juli: Die Gartenstraße 7 ist jetzt besetzt. Wöchentlich finden Plena statt, in denen alles wichtige basisdemokratisch diskutiert und im Konsens beschlossen wird. Es gründen sich Arbeitskreise und wir eröffnen das Café Gärtnerei als nicht kommerziellen Treffpunkt.

August: Wir formulieren das Ziel, das Haus langfristig solidarisch zu nutzen und streben einen Hauskauf an. Dafür schließen wir uns dem Mietshäuser Syndikat an.

September: Die Stadt Tübingen hat seit Beginn der Besetzung eine Vermittlerinnenrolle eingenommen und bietet nun an, das Haus zu kaufen. Anschließend könnte es in Erbpacht von einem Syndikatsprojekt übernommen werden.

Oktober: Es wird kalt. Neben den Aktivist*innen ziehen jetzt auch Wohnungslose ein.

November: Es wird gedroht, Gas, Wasser und Strom abzustellen. Die Zahlungen belasten die Erb*innengemeinschaft, der das Haus gehört. Wir verhandeln über einen Mietvertrag, der alle Kosten für die Eigentümer*innen decken soll.

Außerdem veranstalten wir die Protestaktion „Miethaie verkraulen“, bei der wir im Neckar baden gehen, um Aufmerksamkeit für die prekäre und existenzbedrohende Situation auf dem Wohnungsmarkt zu erzeugen.

Dezember: Unsere aktivistische Arbeit geht weiter. Parallel zum Schokoladenmarkt feiern wir ein Straßenfest für ein Recht auf Stadt: Mit Zuckerwatte für alle, Essen aus gerettenen Lebensmitteln, einer Hüpfburg, Musik, Feuershow und jeder Menge weiterer Informations- und Mitmachaktionen.

Kurz vor Weihnachten dann eine große Enttäuschung: Die ausformulierte Nutzungsvereinbarung für das Haus wird doch nicht unterzeichnet, aus Angst der Erb*innen, dass wir dadurch weitere Mietrechte erhalten.

2020

Januar: Neuer Schwung in den Kaufverhandlungen. Wir einigen uns mit Makler und Stadt auf einen Preis. Leider kommt es in letzter Minute zu einem Scheitern, da sich die Erb*innengemeinschaft noch nicht einig ist.

März: Wir planen im Bündnis für den Housing Action Day die nächste aktivistische Großaktion. Leider kann sie Coronabedingt nicht stattfinden. Wir schließen zudem unser Café und es finden keine Veranstaltungen mehr statt.

April: Aus dem offenen Haus wird eine geschlossene Wohngemeinschaft aus Aktivisti und Wohnungslosen. Um die Sicherheit der Bewohnenden nicht zu gefährden, verzichten wir auf Besuche, Arbeitskreistreffen und Plenumsrunden im Haus.

Juli: Um unseren ersten Geburtstag zu feiern, organisieren wir einen Stream mit Musik und Redebeiträgen. Es gibt einen Sektausschank und Kaffee to go.

Oktober: Wir veranstalten ein Zukunftsplenum, da kaum mehr Strukturen existieren und deren Überbleibsel nicht mehr den ursprünglichen Zielen gerecht werden. In der Zeit des geschlossenen Hauses fand ein sexistischer Übergriff im Haus statt,  dabei wurden eine Bewohnerin und eine Besucherin sexuell belästigt. Mit diesem Übergriff wurde schlecht umgegangen: Der Täter wurde zwar rausgeschmissen, aber es fand keine Aufarbeitung statt. Daraufhin ist ein Konflikt entstanden. Wir sind seit einiger Zeit intensiv mit der Aufarbeitung beschäftigt. Seit dem Zukunftsplenum finden digital wieder wöchentliche Treffen im Plenum, sowie den Arbeitskreisen statt. Viele Menschen stecken viel Zeit in die Sicherung und den Wiederaufbau des Projekts. Wir arbeiten darauf hin, dass ein sich selbst als links und fortschrittlich verstehendes Projekt wie die Gartensia zu einem Haus mit feministischem Selbstverständnis wird und so etwas nicht mehr passieren kann.

Gleichzeitig wächst der Druck von außen: Wegen Corona hat die Stadt keine finanziellen Mittel mehr, um das Haus zu kaufen. Somit müssen wir unseren Finanzierungsplan neu kalkulieren, um den Erb*innen ein faires Angebot machen zu können.

November: Bald steht eine Grundsatzentscheidung in der Erb*innengemeinschaft an, da sie die laufenden Kosten für unseren Strom- ,Gas-, Wasserverbrauch nicht zahlen können. Einzelpersonen drohen uns mit der Räumung. Zugleich laden sie über das Tagblatt alle Wohnungslosen der Stadt ein, sich im Winter in der Gartensia zu wärmen. Wir begrüßen eine langfristige soziale Nutzung des Gebäudes sehr und schicken der Erb*innengemeinschaft unser Kaufangebot.