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Neustart!

Die Gartensia war im vergangenen Jahr ein Stück gelebte Utopie. Viele verschiedene Menschen haben dort den Tag über vorbeigeschaut, waren bei den Plena, haben Kaffee gekocht und Musik gemacht, ihre erste Nacht in einem besetzen Haus verbracht, Essen organisiert, Banner gemalt, unzählige Veranstaltungen gewuppt und den Alltag gestaltet. Einige Menschen ohne Wohnung haben in der Gartensia einen warmen Schlafplatz gefunden, dies ist gerade in den kalten Wintermonaten eine weitere wichtige und sinnvolle Funktion, die das Haus erfüllt.
Unser aktuelles Anliegen ist, dass die Gartensia wieder zu einem politischen Ort wird, der Menschen zusammenbringt, der uns Möglichkeiten für alternatives Leben und Denken eröffnet, für die es nur wenige Räume gibt. Dafür müssen wir einiges an den alten Strukturen ändern und aus den Geschehnissen der letzen Monate lernen.


Was ist passiert und wieso braucht es einen Neustart?

1.      Aufgrund von Corona wurde aus dem offenen Projekt ein geschlossenes Haus. Die Aufgaben blieben an immer weniger Leuten hängen, bis diese sie nicht mehr tragen konnten und zum Teil ebenfalls ausstiegen. Es gab keine aktiven Arbeitskreise und kein regelmäßiges Hausplenum mehr, das Entscheidungen treffen konnte. Das Haus wurde von vielen vernachlässigt bis hin zu einem Zustand, in dem es als Treffpunkt oder Ort für Veranstaltungen nicht mehr genutzt werden konnte. 

2.    Am Anfang des Sommers kam es zu einem sexistischen Übergriff im Haus,  dabei wurden eine Bewohnerin und eine Besucherin sexuell belästigt. Die Definition als sexuellen Übergriff durch die betroffenen Personen wurde von anderen Bewohner*innen des Hauses in Frage gestellt und relativiert. Der Rausschmiss des Täters aus dem Projekt erfolgte drei Tage später, womit die damaligen Bewohner*innen den Vorfall als abgeschlossen betrachteten. Es erfolgte über einen langen Zeitraum keine Aufarbeitung des Umgangs mit dem Übergriff.

3.    In den folgenden Monaten kam es immer wieder durch verschiedene Menschen zu physischen und psychischen Grenzüberschreitungen. Nachdem mehrere Ansätze zur Mediation zwischen den anderen Bewohner*innen und den Betroffenen scheiterten, eskalierte die Situation. Nach langen konfliktreichen Monaten wurde die Betroffene aus dem Haus geschmissen und aus dem Projekt ausgeschlossen. Zum Ende des Sommers lebten nur noch wenige Aktivisti und einige Wohnungslose im Haus. Das Projekt war nicht mehr handlungsfähig. Mittlerweile gibt es eine Konfliktaufarbeitung, in der sich Unterstützer*innengruppen über den Konflikt austauschen und versuchen Umgangsformen und Lösungen zu finden. Alle der noch aktiven damaligen Bewohner*innen sind inzwischen an einem intensiven Reflexionsprozess beteiligt und setzen sich dort mit den Fehlern auseinander, die im Umgang mit dem sexualisierten Übergriff gemacht wurden. 

4.     Nachdem sich mehrere Erbparteien der Hauseigentümer*innen anwaltliche Unterstützung organisiert haben, ist das Szenario einer Zwangsversteigerung möglich. In diesem Fall müsste die Gartensia innerhalb kurzer Zeit eine hohe Summe an Direktkrediten aufbringen, um mitbieten zu können und aus dem Haus ein Mietshäuser Syndikats-Projekt zu machen. Können wir das Wohnprojekt nicht auf diese Art verstetigen, droht die Räumung.

Das Scheitern dieser politischen Besetzung, die so hoffnungsvoll begonnen hat, wäre sehr zu bedauern. Wir möchten nicht, dass es durch seine derzeitige Strahlkraft über die linke Szene hinaus zur Diskreditierung utopischer, emanzipativer und radikaler Projekte genutzt wird. Der Anfang des Neustarts wird sicher anstrengend, aber wir bringen es nicht übers Herz, die Gartenisa und damit eine Chance auf einen Raum aufzugeben, in dem in Zukunft ein Stückchen Utopie erlebbar gemacht werden könnte. Vielleicht schaffen wir es ja zusammen?


Ganz aktuell

Nach einer zähen Pause und einer langen Zeit der Stille, haben sich ein paar Menschen zusammengefunden und online ein „Zukunftsplenum“ ins Leben gerufen. Dieses Plenum findet nun wieder regelmäßig (alle acht Tage) statt. Es wird über Aufgaben geredet, Arbeitskreise (z.B. der Aufräum-AK,Öffentlichkeits-AK u.v.w.) gegründet, Probleme angegangen und versucht wieder Strukturen im Haus zu aktivieren.Eine der wichtigsten Aufgaben ist es für uns alle, den Umgang mit dem sexuellen Übergriff aufzuarbeiten. Dafür soll ein starker Fokus auf der intensiven Auseinandersetzung mit strukturell tief verankerten, sexistischen Denk- und Verhaltensmustern liegen und darauf, wie wir diese überwinden können. Nur wenn diese Auseinandersetzung an der Wurzel des Problems stattfindet, können sich Menschen, die von grenzüberschreitendem Verhalten betroffen sind, in Zukunft auf einen besseren Umgang damit verlassen und die Gartensia zu einem Projekt mit feministischem, emanzipatorischem Anspruch werden. Die Konfliktaufarbeitung durch die Unterstützer*innengruppen, sowie der Reflexionsprozess sind hier erste praktische Schritte, die wir bereits gehen. Um die Fähigkeit zu entwickeln, über die Geschehnisse zu reflektieren und aus ihnen zu lernen, müssen gute Awarnessstrukturen geschaffen, Reflektionsrunden organisiert und Workshops angeboten werden.
Wir haben noch so einiges vor uns, aber die Stille und Untätigkeit ist durchbrochen worden und damit ein großer Schritt in Richtung Neustart getan.

1 Jahr Gartensia

Am Sonntag den 19.07 ist die Gartenstraße 7 ein Jahr besetzt und wir
zählen die Tage bis zur Geburtstagsfeier.
Das letzte Jahr war vor der Corona-Pause ein Fest: Das täglich offene
Café als unkommerzieller Raum, wöchentliches Programm, Konzerte,
Soli-Partys, Vorträge, Ausstellungen und Workshops: Selbstverwaltetes
Kulturprogramm ohne Geld! So soll es auch nach Corona weitergehen.
Coronabedingt gibt es keine kuschelige Geburtstagsparty, aber ihr könnt gerne zwischen 12 und 18 Uhr Mundschutz-Kaffee-to-go vorbeischauen  und habt die Möglichkeit seuch kreativ auf einer Malwand zu verewigen, einen Brief einzuschmeißen und ein
Abstand-Schwätzchen zu halten.

Anschließend wird es Redebeiträge zu den Themen
Wohnungsnot, Allerlei aus der Gartenstraße, sowie geile Mucke im
Livestream geben unter der Adresse:

stream.gartensia.de

Nach unserem Geburtstag werden wir den Veranstaltungsbetrieb langsam
wieder hochfahren. Ihr dürft gespannt sein!
Wir danken euch, dass ihr mit uns ein Jahr Gartenstraße möglich gemacht
habt! Kommt vorbei! Beteiligt euch! Die Häuser denen, die drin wohnen!

Einmonatiges!

Wir möchten feiern und ihr seid herzlich eingeladen, denn das einmonatige Besetzungsjubiläum steht an! …und das Beste: ein Ende ist nicht in Sicht!

Samstag, 17. August ab 20.00 Uhr: Potluck Dinner in der Gartensia

Das bedeutet: alle bringen was zu Essen und Trinken mit und dann gibts ein großes Buffet!

Wir freuen uns!

Viele Grüße

Eure Gärtner*innen